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Vielleicht habt ihr schonmal überlegt, Reisen und das Kennenlernen fremder Kulturen mit Helfen vor Ort zu verbinden. Wir wollen euch einen Überblick über Freiwilligenarbeit geben und unsere Erfahrungen mit euch teilen. Wenn ihr euch eine seriöse Agentur und ein passendes Projekt sucht, kann euer Einsatz für beide Seiten eine Bereicherung sein.

Die Suche nach einem passenden Projekt

Anja hat vor ein paar Jahren schon erste Erfahrungen mit Freiwilligenarbeit gemacht. Hier berichtet sie für euch von ihren Erfahrungen:

Zwischen zwei Jobs hatte ich noch etwas Zeit zum Reisen. Im Anschluss sollte meine Erzieher Ausbildung beginnen. Da wollte ich nochmal länger unterwegs sein und dabei einen sinnvollen Beitrag leisten. Freiwilligenarbeit schien mir dafür eine Möglichkeit zu bieten.

Ich habe mich also über verschiedene Agenturen informiert. Irgendwann bin ich bei „Projekts abroad“ gelandet.

Projekts abroad gibt es schon seit über 25 Jahren. Bei der Planung und Durchführung hat man die Agentur als Ansprechpartner in Deutschland. Vor Ort bieten sie dann einheimische Betreuer, die meist recht gutes Englisch sprechen. Das war in meinem Zielland, der Mongolei, sehr sinnvoll. Viele Einheimische sprechen kein Englisch. Meine Betreuerin vor Ort hat mir bei Arztbesuchen und Behördengängen mehrmals als Übersetzerin geholfen.

Projekts abroad hat außerdem eine Checkliste für verantwortungsvolles und nachhaltiges Reisen. Z.B. veröffentlichen sie einen jährlichen Bericht zur Wirkung ihrer Projekte. Sie zeigen sich transparent bei der Nutzung von Gebühren und sie unterstützen die Projekte vor Ort langfristig. Gerade weil ich nur für einige Wochen Zeit hatte, war es mir vor der Reise wichtig zu wissen, dass ich eine Organisation unterstütze, die für nachhaltige Projekte steht. Wer da näheres wissen möchte, findet auf der Website viele Informationen.

Welche Art von Freiwilligenarbeit suche ich?

Es gibt sicherlich auch noch einige andere seriöse Anbieter. Ich denke es ist wichtig, dass man sich da vorab ein bisschen bei den Organisationen informiert, die in Frage kommen. Der Aufenthalt soll ja sowohl für einen selbst, als auch für das Projekt sinnvoll sein.

Noch mehr Ideen und Möglichkeiten für Freiwilligenarbeit:

Freiwilligenarbeit in Deutschland – Bergwaldprojekt

Die meisten Organisationen bieten Freiwilligenarbeit in den Bereichen Umwelt & Naturschutz, Unterrichten, Kinderbetreuung und Bau von Gebäuden und Infrastruktur an.

Da ich schon immer Spaß an der Arbeit mit Kindern hatte, habe ich mich für Kinderbetreuung entschieden. Ich habe angegeben, dass ich am liebsten mit jüngeren Kindern arbeite. So habe ich einen Job in einem Waisenhaus für Kinder zwischen 0 und 6 Jahren bekommen.

Projects abroad kümmert sich dann auch um Buchung von Flügen. Sie beantworten Fragen zu Visa, Impfungen und allem, was sonst noch für die Reise ansteht.

Von anderen Freiwilligen weiß ich, dass das mit der Anreise alles problemlos und wie gewünscht gelaufen ist. Ich habe meine An- und Abreise mit der Transsibirischen Eisenbahn selbst organisiert. Ich weiß aber z.B. auch von einer anderen Freiwilligen, die kurzfristig nach Hause zu ihrer Familie musste. Sie hat sehr schnell und unkompliziert Hilfe von den Betreuern vor Ort bekommen.

Skyline von Ulaanbaatar
Ulaanbaatar, die Hauptstadt der Monglei

Unterkunft vor Ort in Gastfamilien

Von meiner Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn erzähle ich euch an anderer Stelle. Nach 6 Tagen Anreise stand ich jedenfalls am Bahnhof in Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei. Dort hat mich meine Betreuerin abgeholt und erstmal zu meiner Gastfamilie gebracht.

Ich war in einem Außenbezirk von Ulaanbaatar untergebracht.
Die Familie kann sich durch die Aufnahme von Freiwilligen etwas Geld dazuverdienen. Dafür bekommt man ein eigenes Schlafzimmer und zwei Mahlzeiten am Tag.

Ich war bei einer netten alleinerziehenden Mutter mit ihrer 8 jährigen Tochter untergebracht. Verständigen konnten wir uns kaum. Die Mutter sprach wenig englisch und ich noch weniger mongolisch. Ich war froh, dass ich meinen Sprachführer dabei hatte, so konnten wir wenigstens die wichtigsten Dinge klären. Trotzdem hat sie mir jederzeit das Gefühl gegeben willkommen zu sein. Da die Kinder in der Mongolei oft deutsch als Unterrichtsfach haben, konnte die Tochter ein paar Wörter deutsch. Morgens hat sie mich immer mit dem Wort „Frühstücken“ in die Küche gerufen.

Irgendwann hat die Mutter mir dann verständlich gemacht, dass es schön wäre, wenn wir etwas deutsch Unterricht machen können. So hatte ich dann zweimal in der Woche die Tochter mit ihren beiden Freundinnen auf meinem Bett sitzen. Mit Memory, vielen Bildern und deutschen Kinderliedern habe ich mich dann als Lehrerin versucht. Spaß hatten die Mädchen auf jeden Fall. Wenn wir fertig waren habe ich aus dem Flur immer gehört, wie sie „alle Kinder lernen lesen“ gesungen haben.

Die Freiwilligenarbeit im Waisenhaus

Meine Arbeitsstelle war ein Waisenhaus, ca. 10 Gehminuten von meiner Gastfamilie entfernt. Dort war ich, zusammen mit 2 mongolischen Kolleginnen, für die Betreuung von 10 Babys zuständig. Sie waren zwischen 4 Wochen und 12 Monaten alt. Ärmere Familien geben ihre Neugeborenen oft weg. Sie wissen, dass sie im Waisenhaus genügend Essen und einen warmen Schlafplatz bekommen.

In der Mongolei sind die Waisenhäuser genau nach Alter getrennt. Mit 12 Monaten kommen die Kinder in die nächste Gruppe. Mit 6 Jahren kommen sie in ein Waisenhaus für ältere Kinder. Dabei erleben die Kinder einen häufigen Wechsel von Bezugspersonen und von Kindergruppen.

Die Betreuerinnen der Kinder nannten sich „nurse“. Sie waren weniger dazu da, mit den Kindern zu spielen und sie zu begleiten. Ihre Aufgabe war eher, die Grundbedürfnisse zu befriedigen. So waren die Kinder gut ernährt und hatten immer saubere Kleidung an. Spielen und Kuscheln war aber nicht die Aufgabe der „nurses“. Das ist nebenbei beim Essen auch manchmal passiert, aber verhältnismäßig wenig.

Freiwilligenarbeit in einem Kinderheim in der Mongolei:

Freiwilligenarbeit im Ausland

Man muss sich vor einem Freiwilligendienst bewusst sein, dass die Verhältnisse im jeweiligen Gastland sich sehr von dem unterscheiden, was man kennt. Auch, wenn man manches anders sieht, sollte man versuchen respektvoll zu bleiben und die Gegebenheiten zu akzeptieren.

Die meiste Zeit des Tages waren die Kinder ohne Erwachsene in einem großen Raum. Dort sind sie gekrabbelt, haben erste Gehversuche gemacht und haben vor sich her gebrabbelt. Dieser Raum war der Lebensmittelpunkt der Kinder. Davon abgesehen kannten sie nur den angrenzenden Schlafraum und den kleinen Hinterhof.

Die nurses saßen in einem Flur. Sie haben das ganze beobachtet und eingegriffen, wenn mal zu fest an den Haaren gezogen wurde oder, wenn jemand geweint hat. Außerdem haben sie die Babys gefüttert, gewickelt und aufs Töpfchen gesetzt.

Spielzeuge gab es nur wenige. Ab und zu habe ich sie den Kindern mal gegeben. Sie wurden aber meist sehr schnell von den Erwachsenen wieder weggestellt. Die Kolleginnen haben mir dann immer versucht verständlich zu machen, dass die Kinder sie ohnehin nur benutzen, um anderen Kindern auf den Kopf zu hauen.

Einmal am Tag haben wir alle Kinder eingepackt. Dann sind wir raus in den kleinen Hinterhof an die frische Luft. Dabei hat sich meist jeder zwei Kinder unter dem Arm geklemmt und runter in den Garten getragen. Das ging bei den mongolischen Kolleginnen ziemlich schnell. Für mich war das Tragen von zwei 15kg Babys eher anstrengend. Manchmal habe ich nur ein Kind genommen. Das wurde ein bisschen belächelt, aber hingenommen. Ich war immer froh, wenn wir dann alle draußen waren.

Meine Arbeitszeit war 3 Stunden vormittags und 2 Stunden nachmittags. Dazwischen hatte ich eine ziemlich lange Mittagspause. In dieser Zeit haben die Kinder geschlafen. Die Pause habe ich meistens genutzt, um ein bisschen zu Fuß unterwegs zu sein und etwas zu Mittag zu essen.

Landschaftsaufnahme von den Wäldern außerhalb von Ulaanbaatar
Ein Tagesausflug ins Umland von Ulaanbaatar

Unterwegs in Ulaanbaatar und Umgebung

In meiner Freizeit habe ich manchmal Angebote der Organisation genutzt. Wir waren z.B. mit anderen Freiwilligen in einem mongolischen Konzert. Ab und zu haben wir Karaoke gesungen oder sind außerhalb von Ulaanbaatar gewandert.

Einen Tag haben wir einen Jurtenbezirk am Rand von Ulaanbaatar besucht. Dort gibt es viel Armut. Projects abroad hilft dabei, die Kinder mit Schulsachen und anderen nötigen Dingen zu versorgen. Wir haben dort mit ca. 20 Freiwilligen den Morgen mit den Kindern verbracht und Spiele gespielt.

Ich hatte das Gefühl, dass die mongolischen Mitarbeiter der Organisation in Ulaanbaatar nicht nur in dem Jurtenbezirk, sondern auch an anderen Stellen, viel geholfen haben. Das hat mir gut gefallen. Ich hatte das Gefühl, dass die Projektgebühren sinnvoll eingesetzt werden und bei den Menschen vor Ort ankommen.

Auch sonst habe ich viele nette Menschen getroffen. Eine Kollegin im Waisenhaus hat lange in Deutschland gelebt und hat mir die Handynummer von ihrer Tochter mitgegeben. Mit ihr und einer Nigerianerin, die mich mal an der Bushaltestelle angesprochen hat, war ich oft in Ulaanbaatar unterwegs. Wir waren Karaoke singen, sind im Park spazieren gegangen oder sind zusammen essen gegangen.

Ich hatte abends und am Wochenende immer frei. Morgens habe ich immer erst um 9:00 Uhr angefangen. Dadurch hatte ich viel Zeit Ulaanbaatar und die Umgebung kennenzulernen.

Einsame Toilette in der mongolischen Steppe
Das „Badezimmer“ mit Ausbilck bei einer Jurtenübernachtung

Reisen am Ende des Projekts

Am Ende meiner Zeit in Ulaanbaatar war ich noch 3 Tage mit einem Guide unterwegs. Wir waren viel in der Natur außerhalb von Ulaanbaatar. Wir haben in Jurten übernachtet und selbstgebrannten Wodka mit mongolischen Steppenbewohnern getrunken. Ich kann nur empfehlen, dass ihr euch am Ende von einer Freiwilligenarbeit im Ausland noch ein bisschen Zeit nehmt, um im Land zu reisen.

Ich hätte mir noch viel mehr Zeit nehmen sollen, um im Land unterwegs zu sein. Da ich aber auch die Rückreise mit der Transsibirischen Eisenbahn organisiert hatte, musste ich recht früh die Heimreise antreten. Die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn ist aber auch ein unvergessliches Erlebnis, so dass ich es nicht bereue die Zeit dafür genutzt zu haben.

Die Mongolei mit ihren gastfreundlichen Menschen und den weiten Steppen und grünen Wäldern steht aber weit oben auf der Liste von Ländern, die ich nochmal bereisen möchte. Das nächste Mal aber dann zu zweit als „Schluffis on Tour“.

Mein Fazit zu Freiwilligenarbeit im Ausland

In dem Waisenhaus war ich insgesamt vier Wochen und habe viele Erfahrungen mitgenommen.

Die Kolleginnen haben mich anfangs etwas belächelt. Als einzige saß ich immer mit hinter der Scheibe und habe mit den Kindern gespielt. Das kannten sie genauso wenig, wie ich ihre Art zu arbeiten kannte. Ich war eine der ersten Freiwilligen in diesem Waisenhaus. Bisher hatte die Organisation meistens Freiwillige an Waisenhäuser mit älteren Kindern vermittelt.

Nachdem ich mich an die manchmal sehr direkte und zupackende Art der Mongolinnen gewöhnt hatte, habe ich mich aber sehr wohl gefühlt. Man hat versucht mir etwas mongolisch beizubringen und jedes Wort, das ich versucht habe, begeistert kommentiert. Außerdem wollten alle von mir etwas Englisch lernen.

Die Kinder kamen irgendwann fröhlich angekrabbelt, wenn ich an die Glastür kam. Ein Mädchen hat sich einmal an meine Wange gelehnt. Sie hat sich minutenlang nicht mehr bewegt. Sie hatte wohl ein sehr großes Bedürfnis nach Körperkontakt. Da habe ich mir dann manchmal die Frage nach dem Sinn meines Aufenthaltes gestellt. Mitgeben konnte ich den Kindern in dieser kurzen Zeit nicht viel.

Sollte ich mich nochmal für ein Projekt dieser Art entscheiden, würde ich wohl eher einen längeren Aufenthalt wählen. Wahrscheinlich wäre es auch sinnvoller, mit älteren Kindern zu arbeiten und ihnen z.B. Englisch beizubringen. Diese könnten es auch eher verstehen, dass man wieder gehen muss. Für die Babys war wieder eine Bezugsperson einfach verschwunden.

Auch Umwelt- oder Naturschutzprojekte wären für mich eine sinnvolle Alternative. Vorausgesetzt, dass die Organisationen nachhaltig handeln und die Menschen vor Ort angemessen unterstützen, könnte man hier sicherlich einen guten Beitrag leisten.

Eine andere Möglichkeit: Projekte vor Ort unterstützen

Es gibt auch viele Möglichkeiten in der näheren Umgebung Projekte durch Freiwilligenarbeit zu unterstützen.

Wir haben zum Beispiel im Frühling einen Tag beim „Bergwaldprojekt“ in der Nähe von Würzburg bei der Orchideenpflege ausgeholfen und sind vom Konzept dieses Vereins sehr begeistert.

Davon erzählen wir euch anderer Stelle mehr. Das muss aber jeder für sich entscheiden. Für mich persönlich muss es in Zukunft etwas sein, bei dem ich das Gefühl habe, dass mein eigener Beitrag nachhaltig und hilfreich ist. Aber auch der Wunsch neue Erfahrungen zu machen und etwas dazuzulernen, ist ein legitimer Grund, sich für ein Projekt zu entscheiden.

Das Prinzip Job gegen Erfahrung gefällt uns aber beiden sehr gut. Deshalb werden wir Freiwilligenarbeit in verschiedenen Projekten auf jeden Fall dazu nutzen, um unserer Freiheit unseren persönlichen Sinn zu verleihen.

Unter unserer Rubrik „Unterwegs“ findet berichten wir euch nach und nach von unseren Erfahrungen dazu.

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